Ein Meister historischer Klänge – Harfenbauer mit Leidenschaft für Geschichte

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Vortrag von Claus Hüttel am 5.3.2026

Wenn Herr Hüttel von historischen Harfen erzählt, leuchten seine Augen. Seit über drei Jahrzehnten baut er Instrumente nach, wie sie zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert erklangen – Harfen, die nicht nur Musik, sondern Geschichten in sich tragen.

Sein Wissen stammt nicht aus Lehrbüchern oder Werkstattkursen, sondern aus seiner eigenen Leidenschaft: unzählige Stunden in Museen, das genaue Studium alter Gemälde, das Vermessen kostbarer Originale hinter Glas. Jedes Detail zählt. Alte Zeichnungen, Risse im Holz, der Schwung einer historischen Abbildung – all das sind für ihn Hinweise auf die Bauweise und Klanggeheimnisse vergangener Zeiten.

Unterstützt wird er von Gleichgesinnten im „Verein für historische Harfen“, wo man sich austauscht, fachsimpelt und gemeinsam versucht, den verlorenen Klang der Geschichte wiederzubeleben.

Die Präzision und das ruhige Arbeiten, die seine Harfen auszeichnen, haben ihren Ursprung in einem ganz anderen Beruf: Herr Hüttel war viele Jahre Zahntechniker. Dort lernte er, komplex zu denken und feinste Materialien mit Geduld und Genauigkeit zu bearbeiten – Fähigkeiten, die heute in seinen filigranen Instrumenten weiterleben.

Bei der Auswahl seiner Materialien bleibt er seinen Prinzipien treu. Nur heimische Hölzer kommen in Frage – solche, die schon vor Jahrhunderten verwendet wurden. So entstehen Instrumente, die nicht nur wie ihre Vorbilder aussehen, sondern auch so klingen.

Jede neue Harfe beginnt mit einer Vermessung alter Originale. Mit Millimetermaß und technischem Zeichnen holt er sich die Maße aus der Vergangenheit zurück. Oft reist er dafür zu Museen oder spürt in Privatbesitz vergessene Instrumente auf – viele von ihnen längst unspielbar, beschädigt durch Alter, Feuchtigkeit oder falsche Lagerung. Doch aus diesen stummen Exemplaren gewinnt Herr Hüttel Inspiration für neue Klangkörper. 

Da er zwei seiner Nachbauten mitbrachte, konnte man die Geschichte beinahe hören: zuerst die älteste Form, ganz aus einem Stück Holz geschnitzt, dann die spätere Variante mit einem zusätzlichen Resonanzkörper. Die größere Bauweise brachte nicht nur mehr Klangvolumen, sondern auch eine neue Klangfarbe hervor – und als Herr Hüttel einige Melodien anstimmte, war es, als würde die Zeit für einen Moment stillstehen.

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