Bei einer Führung durch das Columbarium St. Donatus in Aachen-Brand erhielten wir vom verantwortlichen Architekten Elmar Paul Sommer spannende Einblicke in die Entstehung und Gestaltung dieser außergewöhnlichen Begräbnisstätte.
Im Zuge des Stilllegungsprogramms katholischer Kirchen wurde auch die ehemalige Kirche St. Donatus entweiht und geschlossen. Für das Gebäude suchte man eine neue Nutzung – und fand sie in der Umgestaltung zu einer Urnenbegräbniskirche. Nach nur drei Jahren Planungs- und Bauzeit wurde das Columbarium 2016 eröffnet. Die Baukosten von rund 2,5 Millionen Euro blieben im Rahmen der ursprünglichen Schätzung.
Der Umbau erforderte eine grundlegende Neugestaltung des Kirchenraums. Sechs unterschiedlich gestaltete, zylinderförmige Kapellen aus Backstein schaffen heute eine aufgelockerte Raumstruktur. Sie bieten Platz für insgesamt rund 4.000 Urnen und zugleich Freiräume für Trauernde, Begegnung und kulturelle Veranstaltungen. Rund 1.000 Urnenplätze sind derzeit belegt.
Besonders interessant waren die Erläuterungen zu den baulichen Details: Für die besondere Form der Rotunden waren acht verschiedene Ziegelformen erforderlich. Auch der gewünschte Grauton der Bodenfliesen ließ sich nur durch eine spezielle Brenntechnik erzielen.
Großen Wert legten die Planer auf die Wiederverwendung vorhandener Ausstattung. So wurden beispielsweise alte Kirchenbänke aufgearbeitet und ein marmorner Opfertisch zu einem modernen Altar umgestaltet. Auf diese Weise verbindet das Columbarium die Geschichte des früheren Kirchenraums mit seiner heutigen Nutzung.
Die Architektur von Axel Birk und Elmar Paul Sommer stellt das Licht der Hoffnung in den Mittelpunkt. Das Zusammenspiel von Grau, Weiß und Gold sowie die eindrucksvollen Lichtreflexionen der Glasfenster von Professor Schaffrath verleihen dem Raum eine besondere Atmosphäre. Das Columbarium ist damit nicht nur eine Begräbnisstätte, sondern auch ein Ort der Erinnerung, des Gebets, des Trostes und der Begegnung. Die Führung vermittelte eindrucksvoll, wie aus einer nicht mehr genutzten Kirche ein Ort mit neuer Bedeutung entstehen kann.


