AACHEN, 02.07.2008
 
 
ZWEI HABEN EINE REISE GETAN ; UND WIEDER WAS ZU ERZÄHLEN


 
Hermanstadt hat sich weiterhin sehr positiv entwickelt. Der Titel

« KULTURHAUPTSTADT EUROPA 2007 »

hat den Tourismus angekurbelt, Geld und Leben in die Stadt gebracht. Die Besucherzahlen sind allerdings inzwischen deutlich rückläufig.

Hermanstadt ist jedoch eine Ausnahme und nicht mit dem ganzen Land gleichzusetzen. Positive Veränderungen sind für uns jedoch auch hier erkennbar. In den sächsischen Dörfern sieht man zunehmend frisch gestrichene Häuser ; aber auch weiterhin Armut, die mit Händen zu greifen ist.
EU-Gelder fließen zur Zeit massiv in die Verbesserung der Infrastruktur – Schwerpunkt Staßenbau. Hier gibt es auch einen riesigen Nachholbedarf.
Beispiel : Bei einem Ausflug in die traumhaft schönen Karpatenwälder standen wir an einer Kreuzung und die ohnehin schon abenteuerlich schlechte Straße ging in eine grobe Schotterpiste über. Entfernung zur nächsten Stadt - 60km. Kennzeichung in der Straßenkarte - Nationalstraße.
 
Die Lebenssituation  breiter Bevölkerungsschichten hat sich nicht verbessert. Gleiches gilt für den sozialen Bereich.
In dem von uns unterstützten Heim in MEDIASCH haben wir eine fast unveränderte Situation angetroffen.
Bei deutlich gestiegenen Lebensmittelpreisen und unveränderten staatlichen Leistungen für die Kinder, ist unsere finanzielle Hilfe dringend notwendig. Mit den von uns zur Verfügung gestellten Geldern werden Grundnahrungsmittel und Obst gekauft. Insgesamt werden 138 behinderte Kinder betreut.
Während unseres Aufenthaltes waren die Kinder bei Ihren Familien – die dreimonatigen Schulferien hatten gerade begonnen.  36 Waisenkinder sind in dieser Zeit weiterhin im Heim – eine trostlose, von Langeweile geprägte  Situation. Der Lionsclub Monschau hat daher Gelder für die Sanierung der Sportmöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Die Maßnahmen werden noch in diesem Monat abgeschlossen.
 
Aber es gibt auch Gutes zu berichten. 12 Jugendliche, die das Heim verlassen haben ( 18 Jahre alt ), leben in einer Wohngemeinschaft in Sibiu und haben einfache Arbeit bei der Stadtreinigung b.z.W. beim REAL Markt ( Aufräumen ) gefunden.
 
Bedingt durch steigende Preise – Diesel Kraftstoff  1,15 € - und stagnierende Löhne – Industriearbeiter c.a. 200,00 € - verlassen immer mehr junge, gut ausgebildete Leute das Land. Der Mangel an Fachkräften ist so groß, daß ein Lebensmittelmarkt « Kaufland » erst mit mehrwöchiger Verzögerung öffnen konnte, weil kein ausgebildetes Personal zur Verfügung stand.
Ein junges Mädchen aus der Abiturklasse der deutschen Schule in Mediasch berichtet uns, daß nahezu die ganze Klasse – 30 Schüler – das Land nach dem Abitur verlassen will – Perspektivlosigkeit. Bevorzugte Länder sind Deutschland, Holland, Italien und Spanien.
Soweit mein kleiner Reisebericht.
Unsere Hilfe wird weiterhin gebraucht und ich hoffe auf Ihre Unterstützung.