|
|
|||
Hilfe auf dem kurzen Weg für eine Mutter in Not
Lions-Club Monschau ermöglicht es einer 62-jährigen Frau aus Eicherscheid, ihre sterbende Tochter täglich in Aachen zu besuchen
![]() |
|
Ein „Hilfe-Postkasten"
des Lions-Clubs hängt auch am
Eingang zur „Monschauer Tafel" hinter der Imgenbroicher
Sparkasse. Hier können Menschen anonym Briefe einwerfen und
mitteilen, wenn sie in Not geraten sind. „Wir prüfen
jeden Fall und sehen, was sich machen lässt", verspricht
Hans-Peter Drews.
Foto. H. Schepp Nordeifel. „Hilfe, die ankommt." Dieses Versprechen hat sich so manche Hilfsorganisation auf die Fahnen geschrieben, in der Realität aber auch schon mal das Gegenteil bewiesen. Wie schnell und unkompliziert Hilfe greifen kann, das hat nun der Lions-Club Monschau wieder einmal unter Beweis gestellt. Keine 24 Stunden vergingen jüngst in einem besonders tragischen Fall in der Nordeifel bzw. in Aachen vom „Hilferuf" bis zur praktischen Unterstützung. Und wenn sich inzwischen auch die Ereignisse überschlagen und ein trauriges Ende genommen haben - es bleibt der Dank der Betroffenen an jene, die geholfen haben. Schwerer
Herzfehler
Die Chronologie einer
Hilfsaktion
beginnt
Anfang dieses Jahres. Emmy ist 62 Jahre alt, wohnt in einem Ort der
Gemeinde Simmerath
und
ist Hartz-IV Empfängerin. Sie ist in
zweiter Ehe verheiratet
und hat
mehrere Kinder, darunter eine 29-jährige
Tochter, Nicole. Nicole ist ebenfalls
verheiratet, das Paar
lebt in Aachen mit zwei Kindern. Nicole ist seit ihrer Geburt schwer herzkrank, hat mehrere schwere Operationen mitgemacht und überstanden. Die letzte Operation im vergangenen Herbst verlief gut, nach anschließender Reha ging es der 29-Jährigen schon wieder recht gut. Als am 6. Januar dieses Jahres Nicoles Mann und der Sohn des Paares nach einer gemeinsamen Unternehmung nach Hause kommen, finden sie Nicole leblos am Boden liegend vor. Der sofort herbeigerufene Notarzt trifft nur vier Minuten später ein und reanimiert über eine halbe Stunde - mit Erfolg. Nicole wird ins Aachener Klinikum eingeliefert, doch die Diagnose, die drei Tage später der Familie mitgeteilt wird, ist erschütternd: Nicole hat einen hypoxischen Hirnschaden (unter einer Hypoxie versteht man die Minderversorgung der Gewebe mit Sauerstoff, Anm. Lions Club) ,es sei „sehr unwahrscheinlich''`, dass die junge Frau jemals wieder das Bewusstsein erlangen werde, sagen die Ärzte. Nicoles Mutter Emmy hofft wie die ganze Familie bis zuletzt, dass ihre Tochter noch einmal aufwachen wird und möchte Nicole täglich im Klinikum besuchen. Jedoch fehlt ihr das Geld, um jeden Tag aus der Eifel nach Aachen zu fahren, zu teuer ist das Benzin für ihren kleinen Wagen, zu teuer auch das tägliche Busfahren hin und zurück für eine Hartz-IV-Empfängerin. Über eine Bekannte von Emmy in Mützenich erfährt Hans-Benno Kaulard vom Lions-Club Monschau von dem Fall und schaltet Hans-Peter Drews ein, der für den Club seit einigen Jahren den "Hilfe-Postkasten" betreut. Zwei dieser unscheinbaren Briefkasten hängen im Monschauer Stadtgarten und am Eingang zur „Monschauer Tafel"' hinter der Imgenbroicher Sparkasse. Hier können Menschen anonym Briefe einwerfen und mitteilen, wenn sie in Not geraten sind. „Wir prüfen jeden Fall und sehen, was sich machen lässt“ berichtet Hans-Peter Drews, der für diese schnelle Hilfe ein kleines Budget vom Lions-Club hat, über das er ohne Vorstandsbeschluss entscheiden kann. Und so konnten Hans-Peter Drews und
der Lions-Club
auch im Falle Emmy schnell helfen. Abends kam der Anruf - schon am
nächsten Tag
hatte Drews an einer Imgenbroicher Tankstelle ein Konto für
Emmy eingerichtet,
über das sie fortan kostenlos ihren Wagen für die
täglichen Fahrten nach Aachen
auftanken und Nicole im Klinikum besuchen konnte.
Wie befürchtet, ist
Nicole am 31. Januar im Hospiz
Haus Hörn in Aachen, in das sie erst einen Tag zuvor verlegt
worden war,
verstorben. Zumindest aber konnte Emmy dank der Hilfe durch den
Lions-Club an
den letzten Tagen bei ihrer Tochter sein. |